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Monika Schmitt

Veränderung ~ Trennung ~ Verlust ~ Abschied
 

„Wenn man alte unerledigte Trauer aus der Kindheit oder schlechte Erfahrungen mit ihr,
die aus dieser Zeit stammen, mit sich herumschleppt, kann der Verlust und die Trennung
von geliebten Menschen noch nachhaltiger und unbarmherziger schmerzen, als es dies ohnehin tut.“ (Jorgos Canacakis)
 

Veränderung, Trennung, Verlust und Abschied nehmen müssen, gehen meist Hand in Hand einher! Sie werden nicht nur durch den Tod ausgelöst. Die Fähigkeit der Trauer hilft uns dabei,
mit diesen schwierigen Situationen umgehen zu können.

Veränderung z. B.

  • Sie haben erfahren, dass Sie eine chronische Krankheit haben 
  • Ein neuer Chef wird Ihnen ohne Vorankündigung vor die Nase gesetzt
  • Sie müssen, aus welchen Gründen auch immer, Ihren Beruf wechseln 
  • Eintritt ins Rentnerleben
  • ...


Trennung

Die erste Trennung eines Menschen findet bei der Geburt statt. Das Kind verlässt den schützenden und nährenden Bauch der Mutter. Oft fließen dann auf beiden Seiten Tränen.
Bei der Mutter sind es meist Freudentränen (im Normalfall), beim Baby ist es eher lautstarker Protest gegen diese erste Trennung.

Im Laufe unseres Lebens finden viele weitere Trennungen statt, z. B. von der Partnerin, vom Partner, von Freunden, Scheidung, Trennung der Eltern (Scheidungskinder), uvam
 

Verluste von

  • geliebten Menschen
  • Heimat
  • Haus
  • Job
  • Verlust der eigenen Kindheit,
  • Verlust der eigenen Jugend,
  • ...
     

Abschied nehmen
Von Freunden, von Wünschen und Träumen, von Idealen, von geliebten Menschen, ...
 

Trauer ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Um Trauer besser verstehen zu können und greifbarer zu machen, haben einige Trauerforscher “Trauer” in verschiedene Phasen eingeteilt.

Meist kann man die Trauer-Phasen jedoch nicht wirklich voneinander trennen. Sie gehen nahtlos
ineinander über oder vermischen sich miteinander. Jeder Mensch trauert ganz individuell !
Abschied nehmen braucht Zeit ! Es kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.
 

Möglicher Ablauf: Beispiel Trennung von der Partnerin / dem Partner
Einteilung nach Verena Kast und Yorick Spiegel (siehe unten Trauerforscher)
 

Trauerphase 1

Nicht-wahrhaben-wollen | Schock

Das Gedanken-Karussell beginnt:

  • „Es darf nicht wahr sein“ „Das glaube ich nicht“
  • „Wir haben doch eine tolle Beziehung“
  • „Gestern haben wir noch über Kinder gesprochen / übers Heiraten gesprochen /
     Urlaub geplant, etc“
  • „Sie / er braucht nur eine kleine Auszeit … Er / sie hat gerade viel Stress im Beruf …“ 
  • „Ich werde erwachen, das ist nur ein böser Traum!“
  • „Wenn ich besonders lieb bin, merkt sie / er, wie wichtig ich für sie /ihn bin“

Gefühle:

  • Innere Leere
  • Wie in einem schlechten Traum aus dem man nicht erwacht – wie benebelt
  • Starr vor Schreck
  • Wir klammern uns an die Hoffnung der Versöhnung

Verhalten:

  • Besonders "lieb, nett und aufmerksam" sein, sich unentbehrlich machen wollen
  • Alltagsroutine leben
  • Trennung verschweigen (auch der besten Freundin, dem besten Freund, dem
    engsten Umfeld)
  • Erniedrigung vor dem Partner / der Partnerin … betteln um eine zweite Chance

Körperliche Reaktionen:

  • Nicht schlafen können
  • Unruhe
  • Erschöpfung
  • Nicht essen können (jeder Bissen bleibt im Hals stecken / manchmal kann selbst
    Wasser nicht runtergeschluckt werden)

 

Trauerphase 2

Aufbrechende Emotionen | Kontrollierte Phase

Gedanken:

  • Rachegedanken - Vorsicht ! Diese können in extremen Fällen in Kombination mit Wut
    und Hass soweit gehen, dass der Partner / die Partnerin beim Finanzamt angeschwärzt
    wird, Autoreifen zerstochen werden, ..... bis hin zum Stalking
  • Was sollen die anderen über mich denken, weil ICH verlassen wurde
  • Gedanken des Versagens
  • Ich habe nichts zu bieten, ich bin verlassen worden

Gefühle:

  • Schuldgefühle
  • Angst - Existenzängste
  • Einsamkeit
  • Trauer
  • Verzweiflung
  • Selbstmitleid
  • Selbstzweifel
  • Wut und Hass

Verhalten:

  • Selbstvorwürfe
  • Die Suche nach einem / einer Schuldigen beginnt
  • Irrationales Verhalten … Post, E-Mail und SMS werden kontrolliert, usw
  • Starke Selbstkontrolle – Versuch, die eigenen Gefühle zu beherrschen
  • Telefonterror; Besuchszeit der Kinder verweigern; Unterstützung verweigern, etc.
  • Mit Alkohol, Tabletten und ähnlichen Mitteln die Sinne betäuben wollen – Suchtgefahr !

Körperliche Reaktionen:

  • Ruhelosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Unruhe
  • Magenproblem
  • Herzstechen
  • Rückenschmerzen

 

Trauerphase 3

Suchen, Finden, Sich trennen | Phase der Regression

Gedanken:

  • Träume und Fantasien - Erinnerungen an glückliche Zeiten in der Beziehung

Gefühle:

  • Neues Selbstwertgefühl kann sich langsam entwickeln

Verhalten:

  • Das „Verlorene“ bewusst oder unbewusst suchen … an bestimmten Orten,
    Fotos anschauen, etc.
  • Wutausbrüche
  • Innerer Dialog mit dem “verlorenen” Partner - Vorsicht ! Das kann im schlimmsten Fall in einem Pseudoleben / Fantasieleben mit dem Ex-Partner übergehen.
  • Die Trauernden entfremden sich vom Leben, ziehen sich aus dem aktiven Leben zurück
  • Ungelöste Probleme aufarbeiten
  • Beginn des Loslassens
  • Trennung vom gemeinsamen Freundeskreis

Körperliche Reaktionen:

  • Appetitlosigkeit - Damit verbunden auch Gewichtsverlust, Anorexie Verdauungsschwierigkeiten
  • Schlaflosigkeit
  • Permanente Müdigkeit
  • Möglich: gesteigertes sexuelles Verlangen

 

Trauerphase 4

Neuer Selbstbezug | Phase der Anpassung

Gedanken:

  • Bewusstsein über die Gründe der Trennung / des Verlustes
  • Ein neues Bild über Partnerschaft entwickelt sich - wie könnte
    eine neue Beziehung aussehen
  • Wünsche, Vorstellungen und Gefühle werden überdacht

Gefühle:

  • Zwei Schritte vor und einen zurück zu gehen
  • Vertrauen in die Zukunft darf sich einstellen
  • Sich wieder liebenswert und attraktiv empfinden

Verhalten:

  • Öffnung für neue Beziehungen
  • Akzeptieren des Geschehenen
  • Neues Selbstbewusstsein und Selbstvertauen dürfen sich entwickeln
  • Loslassen

Körperliche Reaktionen:

  • Ein neues “positives” Körperbewusstsein darf sich einstellen

 

Einige der bekanntesten Trauerforscher

Elisabeth Kübler-Ross (Psychiaterin * 8. Juli 1926; † 24. August 2004). Sie befasste sich mit dem Tod, dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit. Sie gilt als Begründerin der Sterbeforschung. 1969 beschrieb sie die fünf Phasen des Sterbens, welches als ihr Phasenmodell auch in der Trauerbegleitung verwendet wurde.

Verena Kast (Professorin für Psychologie) hat Trauer in vier Phasen eingeteilt. Angefangen über das „Nicht wahrhaben wollen“ über „Aufbrechende Emotionen“ und „Suchen, Finden, Sich trennen“ bis hin zum „Neuen Selbst- und Weltbezug“.

Yorick Spiegel (systematischer Theologe * 13. April 1935; † 23. September 2010) beschreibt ebenfalls vier Phasen der Trauer. Schockphase, kontrollierte Phase, Phase der Regression und die Phase der Anpassung

Jorgos Canacakis (Diplompsychologe und Psychotherapeut) hat ebenfalls Phasen gesucht, gefunden und daraus ein eigenständiges Modell entwickelt. In seinem Buch „Ich begleite dich
durch deine Trauer“ schreibt er „ Heute weiß ich, dass einzig wichtig ist, dass trauernde Menschen dringend nach Wegen suchen, ihre Trauerfähigkeit zu entwickeln. Auch wenn es trauernden Menschen nicht bewusst ist, können sie kreative Formen finden, wenn man ihnen den Raum und den Rahmen bietet und ihnen Material zur Verfügung stellt.“

 

Meine persönlichen Buchempfehlungen
Durch meine eigene Trauer begleitet haben mich die folgenden Bücher

Ich begleite Dich durch deine Trauer
Jorgos Canacakis 

Auf der Suche nach den Regenbogentränen
Jorgos Canacakis, Annette Bassfeld-Schepers 

Über den Tod und das Leben danach
Elisabeth Kübler-Ross

Der Dougy-Brief ... Worte an ein sterbendes Kind
Elisabeth Kübler-Ross